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26.10.Es ist doch schwierig zu verstehen ohne die sprache zu kennen. Unterhaltungen führen auf inhaltlich niedrigstem niveau, lässt sich noch ertragen aber wenn ich dann doch abläufe und verhaltensweisen verstehen will muss ich mir das irgendwie selbst denken denn erklären tut das keiner. Selbst wenn ist es schwierig das so auszudrücken dass ich das verstehen kann und ich denke da hat keiner so lust darauf. Wenn mir jemand was sagt filtere ich die wörter die ich kenne und bastele mir daraus einen inhalt der ungefähr passen könnte oder ich rate komplett und denke mir aus der situation heraus oder von einem einzelnen wort her aus was gemeint sein könnte. Manchmal sagen die leute oder die kinder total banale sachen denke ich wobei das bestimmt nicht so ist ich aber nur ein paar wörter verstanden und daraus eine aussage konstruiert habe die etwas beschreibt das offensichtlich ist. Ich freue mich aber über alles was ich verstehe und ärgere mich wenn mir jemand etwas sagen will und ich gar nichts verstehe und auch im nächsten satz nicht oder wenn es langsam wiederholt wird.Blöd ist es keine freunde zu haben die hier sind und blöd wenn ich eingeladen werde und dann angerufen dass dieser mensch nicht vertrauenswürdig ist und ich bitte wieder gehen soll und blöd dass ich den grund erst Tage später erfahre, weil das nur auf ukrainisch erzählt werden kann und immer meine mentorin mit drin hängt die aber nicht hier ist und die man immer anrufen muss und ich warten muss bis sie her kommt um die gründe zu hören und mir dann zu übersetzen. Glück habe ich aber, dass sie sich so lieb um mich kümmert und sorgt.Und dieser Mensch ist jetzt doch mein Freund auch wenn wir nur draußen kaffee trinken und nicht zu ihm nach hause gehen.Ich habe auch viel glück mit den kindern, die ich inzwischen alle ins herz geschlossen habe und die art vom jedem einzelnen sehr mag und bei manchen wörtern die stimme eines kindes und seine art das wort auszusprechen im kopf habe. Ich mag ihr lächeln, ihre art sich zu bewegen, ihren eifer und ihre begeisterung beim spielen.30.10.Ich sitze am Tisch vor meiner kascha und habe wenig Lust zu essen. Ich schaue zu ihr und stelle fest, dass ich es hasse, wie sie ihr Ei pellt, laut ruppig, schnell irgendwie brutal oder halt einfach nur wuschig unruhig tzrutz4uewwezztztztzzhtrhztzhxvkllkkkwezt. Dann macht sie das ei auf stopft das weiße in den Mund und lässt das gelbe erstmal. Sie grinst sie mag ei essen. Ich mag sie ja schon, auch wenn sie mich manchmal nervt, aber sie ist süß und sie mag mich und ich hab sie ja auch lieb aber ich hasse es wie sie das mit dem Ei macht.Ich halte das ein gern eine Weile in den Händen, es ist formvollendet und hart. Schön. Unzerstörbar zerbrechlich.Noch ein Text. Es sind Ferien in der Ukraine und nach dem Wochenende beginnt eine neue Woche wie immer wie schon immer wie es eben immer weiter geht nur dass halt für jeden ein anderer Montag beginnt. Mit anderen Dingen die einen erwarten, mit anderen Aufgaben, mit anderen Gefühlen, an den unterschiedlichsten Orten und wir denken nicht aneinander. Hier hat der Montag in den Ferien begonnen und von so siebzig Kindern sind noch sechzehn übrig und Sascha geht nach Hause, über mein Handy ruft er seinen Vater an, seine Mutter ruft kurz danach noch mal an und kommt ihn dann abholen und ich freue mich sehr als er sich sogar von mir verabschiedet und die Hand gibt. Gestern haben wir einen Tag lang fast nur gegammelt und ferngesehen und spiele gemacht. Ich schmunzelte als dann die fünf freunde liefen, die deutsche verfilmung im original, man hört noch leise deutsch und es sind einfach ukrainische sprechakte drübergelegt. Draußen ist es nass und kalt. Wenn in einem Sender grad Werbung kommt, wird weggeschaltet, so schauen wir drei Filme gleichzeitig und haben drei Handlungen, denen wir mehr oder weniger folgen.Jedenfalls sind heute Ferien mit fünfzehn Kindern im Fernsehraum. Heute früh hat es sogar schon geschneit und den Rest des Tages war es nass und kalt und sehr eindrucksvoll windig. Ferien im Kinderheim. Zwei Betreuerinnen für alle Kinder, die innerhalb des Tages mehrmals ausgewechselt werden. Es ist Zeit mal zu erzählen, was ich eigentlich so mache bei meiner sogenannten Arbeit. Also ich spiele mit den Kindern, meistens memory oder auch Uno wenn das ein Kind mitbringt, sonst verstecken, steh-bock-lauf-bock oder Fangen. Heute haben wir noch Masken gebastelt und bemalt, eigentlich hätte ich die gern noch mit Blättern beklebt, aber es war so nass und kalt draußen. Am Nachmittag habe ich noch mit den jüngeren Kindern sehr viele Hexentreppen gebastelt und es entstanden Löwen, Schafe, Schlangen und Spinnen. Beendet haben wir den Tag mit gemeinsamem memoryspielen in einem der Zimmer.Nach dem Essen laufe ich noch zwei Runden um die Schule, genieße die frische Luft, den Wind und die Dunkelheit. Die großen Laternen leuchten hässlich auf alles herab und Bäume werden zu eiskalt grauen kakeligen Hexen. Ich fühle mich inzwischen wohl an diesem Ort, bemerke ich, ich mag diese Häuser wo ich wohne, ich mag die im Wind flatternde ukrainische Flagge, den Zaun, das Gras, die Bäume und den Weg und den Eingang und jedes einzelne Kind. Und ich muss mir noch was cooles überlegen, denn schließlich sind ja Ferien und Ferien sind doch cool und man macht mal was und es ist gut keine Schule zu haben, weil....also ich denke in den Ferien kann man schon mal was größeres cooles machen. Aber was? Tja das muss mir noch einfallen. Heute habe ich schon mitgenommen, was gebastelt wurde und versprochen, dass das ein Museum wird und mir noch mal angehört wer was gemacht hat, damit das auch richtig dokumentiert wird.Also ich denke mir meine Stelle hier doch im Prinzip selbst aus und meine Aufgabe scheint es zu sein, die Kinder einfach zu beschäftigen, denn wirklich Verantwortung habe ich hier nicht, so gut wie nie bin ich allein mit den Kindern und alles andere als die Beschäftigung macht ja schon meist die Betreuerin.

4.11.17 20:22, kommentieren

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Heute hatte ich einen, naja, etwas seltsamen Tag. Ich wachte zum zweiten mal auf und dachte das Frühstück verpasst zu haben und wollte gerade weiterschlafen, als es an meine Tür klopfte und- wobei es auch gut sein kann dass die Tür einfach auf ging- eines der zwei Mädchen aus der siebten mich zum Frühstück rief. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre ich sofort und im Schlafanzug mit gegangen. Das Frühstück war also später als sonst unter der Woche. Als ich danach in meinem Zimmer hockte, öffnete sich die Tür wieder und vor mir standen Kinder der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Klasse, die im Begriff waren in den gegenüber befindlichen Raum zu gehen, um einen Film zu sehen. Meine Frage, ob denn kein Unterricht wäre, so von wegen Montag, wurde verneint und ich wunderte mich. Nach weiteren Fragen und einem Telefonat, wusste ich dann endlich, dass es sich um einen von Samstag verschobenen Feiertag handelte. Fällt ein Feiertag aufs Wochenende, so hat man am darauffolgenden Montag frei. Also die Kinder haben keine Schule und ich habe nach zwei vollen Tagen am Wochenende, keinen freien Vormittag. Aber das Wetter war noch einmal schön. Die Sonne tauchte die herbstlich geschmückten Bäume vor einem blauen Himmel in goldenes Licht. Also spielten wir draußen ein bisschen fangen. Bis zum Nachmittag harkten und fegten wir die Blätter auf dem großen Gelände zusammen. Und eigentlich war es wirklich schön, als ich dann Kreide holte und die Kinder auf dem Weg malten. Aber dann hätte ich gern alles hingeschmissen. Einer der großen Jungs, der wohl sogar älter ist als ich, hielt es für sehr witzig Hakenkreuze zu malen. Wobei witzig nicht das richtige Wort ist. Er malte einfach, alle unterschiedlich und die meisten falsch, aber er war stolz darauf. So wie ich das verstand erklärte er den anderen Kindern, dass dies die Flagge von Deutschland wäre und malte noch einen fünfzackigen Stern, den er zum deutschen Stern erklärte. Ich strich erstmal durch. Und versuchte rüberzubringen, dass das nicht stimmt, man das nicht malt und er auch gar nicht so stolz sein braucht, weil er das sowieso falsch gemalt hat. Ich kann das hier nicht so wiedergeben, ich war irgendwie verzweifelt, v.a. weil ich nicht sagen konnte was ich doch unbedingt sagen müsste, zumindest für die anderen Kinder. Auch wusste ich nicht, wie ernst er das meinte......ich stand da und versuchte rüberzubringen, dass man keine Hakenkreuze malt, schon gar nicht wenn man nicht weiß was das bedeutet und dass es sich dabei nicht um die Flagge Deutschlands handelt. Dazu zeigt ich ihnen noch die schwarz-rot-goldene Fahne auf einem Bild und zeigte mich schließlich unbeeindruckt von seiner Zeichnung.Nika Nika я тебя люблю, Nika Nika ich mag/liebe dich, das gefühlte hundert mal am Tag von einer zwanzigjährigen, die dabei die Augen zukneift und ruckartig ihren Kopf bewegt, zu hören, gehört inzwischen zu meinem Tag dazu.

1 Kommentar 16.10.17 21:26, kommentieren