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6.3.Also irgendwie entstehen alle Texte immer im Bus oder auch mal an der Haltestelle.Es ist mal wieder soweit, ich sitze im holpernden Bus, es ist dunkel, sehr dunkel. Meiner Meinung ist die ukrainische Dunkelheit viel dunkler und undurchdringlicher. Ich sehe aus dem Fenster und sehe absolut nichts. Ohne Schnee ist es noch viel dunkler. Das liegt wohl auch daran, dass der Bus von Dorf zu Dort holpert- nicht, dass es einen anderen Weg gäbe- und wo ein Dorf aufhört, fängt nichts neues an, kein Licht, nur Dunkelheit. Und genau diese Dunkelheit mag ich sehr gern. Sie lässt einen die Weite der Erde, gar die Unendlichkeit des Universums, die eigene Winzigkeit fühlen. Mit dem Nicht-sehen und Nichtwissen kommt die Ungezähmtheit, das Wilde und das Verborgene zurück. Das Nichts lebt und brodelt, nachts kann man das genauso wenig sehen wie tagsüber, aber fühlen.Wenn dann der Fahrer das Licht im Bus ausmacht, fühle ich etwas Geborgenheit und gleichzeitig beängstigende Verlorenheit.26.3.Die Morgensonne taucht alles in frisches strahlendes Licht. Es fällt zwischen den Bäumen hindurch und lässt alles erglänzen. Dieses Licht ist wie der Morgen frisch, zart und vorsichtig, doch voller Leben. Der Boden ist noch gefroren, das Eis hartnäckig und der Schnee verkrustet. Aber im Wald hebt sich ein Zwitschern an, die Vögel singen vom Frühling und stimmen mit ebenso zarten wie kraftvollen Tönen in das Lied des Lebens ein. Im schwachen Hauch des Windes wiegen sich trockene Grashalme, Spechte klopfen, aus dem Dorf tönen Gänsegeschnatter, Hähne krähen und Hunde bellen. Über den ersten Atemzügen des Lebens liegen Ruhe und Frieden. Im Westen ist Frieden im Osten ist Krieg. Dort singen doch auch die Vögel...Ein alter Mann in einer Jacke mit Armeemuster und fröhlichen gutmütigen Augen kommt zur Quelle um Wasser zu holen. Es ist sehr still und morgendlich ruhig.

26.3.18 11:51, kommentieren

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Es ist grau und nass aber seit eben stöbern viele kleine Schneeflocken durch die Luft und je schneller der Bus fährt, desto mehr stöbern sie und werden durcheinander gewirbelt. Wie ist das Wetter zuhause, ist es wie es bis vor kurzem hier war, ein frühlingshauch, Sonnenstrahlen und Vogelgesang, dass man dachte, der Winter wäre schon vorüber, oder auch grau und nass, dass man eine Tafel Schokolade isst und danach noch immer wie ein nasser Lappen rumhängt, oder liegt Schnee, dass es selbst nachts nicht ganz dunkel wird und die Flocken alle Laut schlucken? Und wie ist es in Peru, schwitzen die Leute unter der Sonne und eilen von Schatten zu Schatten oder bleibt man zuhause und trinkt Tee, weil Regenzeit ist und es aus Eimern schüttet? Oder in Kanada oder in Australien? Wie ist es dort? Wie bestimmt doch auch das Wetter, wie die Menschen leben, ob sie lachen oder griesgrämig dahin schlurfen. Bei grau und kalt und nass fällt es mir doch so schwer, mich aus dem Bett zu murklen und einen klaren Gedanken zu fassen. Dabei müsste ich eigentlich Pläne machen, mich vorbereiten auf die nächste Woche, über Projekte sinnen, Pläne vielleicht für meine Zukunft machen, recherchieren, reflektieren, Schlüsse ziehen, niederschreiben was ich in letzter Zeit erlebt habe, ukrainisches Weihnachten, Besuche, das Seminar.Am Straßenrand, umgeben von inzwischen weißem Nichts kämpfen drei Männer mit einem voll beladenen Fahrrad.Am Busbahnhof musste ich dann unerwartet zwei einhalb Stunden warten, um nach all dem was ich den Januar über erlebt habe, wieder nach Hause zu fahren. Neben der Kasse hängt ein Schild mit Busrouten nach Polen, geworben wird mit legaler Arbeit in Polen. Viele Leute, auch aus meinem Dorf, gehen dorthin, Mütter lassen ihre Kinder bei der Großmutter und verschwinden ins Ausland um dort für ihre Familie und die Zukunft ihrer Kinder zu arbeiten, aber wie kann es für die Kinder besser sein, wenn sie ohne ihre Eltern aufwachsen?Mit so einem Bus jedenfalls ging es für mich ebenfalls nach Polen Anfang Januar, in das schöne Lublin, wohin mich aber vor allem das Wiedersehen mit Hanni zog. Neben ikeacafe, Kulturzentrum, Altstadt, Kartenspielen und kochen, hatten wir besonders einfach die gemeinsame Zeit. Wieder nach Hause also nach Antoniny zu fahren, fiel mir da gar nicht so leicht. Nach drei Arbeitstagen war dann auch schon Seminar und es ging mit dem Zug und dem Kilian nach Lviv, Lwow, Lemberg, Leopolis. Als wir auf die anderen sechs Freiwilligen aus Albanien, Moldawien, Bosnien-Herzegowina und der Ukraine trafen, gab es kein Halten mehr, von morgens bis nachts erzählten wir. Jeder von uns wäre gern noch länger geblieben, denke ich. Neben dem Austausch sahen wir auch eine wundervolle Stadt, mit vielen Kleinigkeiten, wie deutschen Büchern im Haus der Legenden oder fesselnde Wandbemalungen in der armenischen Kirche, den Trabbi auf dem Dach oder dem Kaffeeduft in der Kaffeemanufaktur und auch Großigkeiten wie die Oper, das Rathaus oder den Eiffelturm u d die Freiheitsstatue. Ein bisschen Geschichte und die Ausstellung im ehemaligen Nazi- und Sowjetgefängnis, brachten mich zum Nachdenken, genauso wie die Diskussionen, die wir führten. Auch als ich danach mit einer der Freiwilligen zu mir fuhr und wir uns die Ausstellung in der Bibliothek anschauten, zu der die Bibliothekarin uns viel erzählte, wurde mir klar, dass ich mich mehr mit Geschichte, speziell der ukrainischen, beschäftigen muss. So gehörte das Palais in Antoniny einem polnischen Fürsten Poltocki, der insgesamt 99 dieser in der Ukraine besaß. So steht nun eines in Lviv als Art Gallery, jenes hier ist um 1919 zu mehr als der Hälfte abgebrannt und Geld fehlt um die Reste wirklich in Stand zu halten geschweige denn wieder aufzubauen. Es gibt Fotos von herausgeputzten Menschen in schicken alten Autos und zu Pferd, mit Kamelen und sogar einem Löwen in Antoniny und heute....die Menschen leben und kommen irgendwie klar, aber es gibt kaum Arbeit, wenig Geld und keine Zukunft außer im Ausland.

1 Kommentar 5.2.18 07:47, kommentieren